Die Altersreform 2020 steht vor der Tür, wir stimmen am 24. September 2017 darüber ab. Was bedeutet die Vorlage für Sie persönlich, sei es als Arbeitgeber, Arbeitnehmer oder Rentner?

Die eidgenössischen Räte haben ein Gesamtpaket zur Altersreform geschnürt. Es ist ein schweres Paket: Neben der AHV umfasst es auch das BVG und die Mehrwertsteuer.

Die wesentlichen Elemente der Altersreform:

  • Erhöhung des Referenzalters für Frauen von 64 auf 65 in der AHV und im BVG (neu spricht man vom „Referenzalter“ und nicht mehr vom Rentenalter).
  • Flexibler Rentenbezug zwischen 62 und 70 Jahren bei der AHV und der 2. Säule.
  • Abschaffung des AHV-Freibetrages von 16‘800.- für Erwerbstätige ab dem Referenzalter.
  • Zuschlag von CHF 70 pro Monat für alle neuen Renten in der AHV.
  • Erhöhung des Plafonds für Ehepaare von 150% auf 155% der Maximalrente.
  • Zusatzfinanzierung durch Erhöhung der MWST. 0.3% ab 2018 (jedoch kompensiert durch den Wegfall der Zusatzfinanzierung bei der IV) und nochmals 0.3% ab 2021.
  • Senkung des BVG-Mindestumwandlungssatzes von 6.8% auf 6.0% .
  • Senkung und Flexibilisierung des Koordinationsabzuges (vorher 24‘675, neu zwischen 14‘100 und 21‘150).
  • Erhöhung der Altersgutschriftssätze um einen Prozentpunkt für 35- bis 54-Jährige.
  • Erhöhung der AHV-Beiträge um 0.3 Prozentpunkte ab 2021.

 

Die Reform soll Lösungen in folgenden Bereichen bieten:

  • Wirtschaftlich: tiefe Zinsen und Renditen, unsicheres Wachstum.
  • Demografisch: steigende Lebenserwartung, Peniosnierung der Babyboomer.
  • Gesellschaftlich: Wunsch nach Flexibilität, Schliessung Vorsorgelücken.

 

Arbeitgeber – Erhöhung der Personalkosten

Die Arbeitgeber tragen die Hälfte der Betragserhöhung von 0.3% bei der AHV. Auch die BVG-Beiträge steigen, da der koordinierte Lohn steigt und Arbeitnehmer im mittleren Alter die Altersgutschriftssätze steigen. Der Mehrwertsteuersatz wird ab 2021 auf 8.3% erhöht.

Wir rechnen mit einer Erhöhung der Personalkosten von ca. 0.4 – 0.5% bei einem Unternehmen mit einer durchschnittlichen Personalstruktur. Der im Unternehmen generierte Mehrwert (der Mehrwertsteuer unterliegend) verteuert sich ab 2021 um 0.3%. Beide wirken sich bei personalintensiven Unternehmen stärker aus als bei Unternehmen mit hohem Material- oder Fremdleistungsanteil.

 

Arbeitnehmer – gleiche Belastung wie Arbeitgeber

Betreffend AHV und BVG tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber im selben Ausmass zur Finanzierung der Altersreform bei. Geht man davon aus, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf die Konsumenten durch Preiserhöhungen überwälzt werden kann, verteuern sich Güter und Dienstleistungen im Allgemeinen um 0.3% ab dem Jahr 2021.

 

Rentner – (fast) alles bleibt beim Alten

Die Massnahmen haben keine direkten Auswirkungen auf heutige Rentner. Die bestehenden Renten bleiben unverändert. Natürlich werden sich heutige Rentner durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer ebenfalls an den Kosten der Altersreform beteiligen (Bemerkung: Die Zusatzeinnahmen zu Gunsten der AHV aus der Mehrwertsteuer im Jahr 2030 werden 2.1 Mia. geschätzt. Der Anteil der über 65-Jährigen beträgt knapp 1/5 der gesamten Bevölkerung).

 

Zukünftige Rentner – die Leidtragenden?

Die „Kosten“ für die Arbeitnehmer wurden oben Erläutert, wie steht es mit dem Nutzen?

Durch den tieferen Umwandlungssatz beim BVG von 6% reduzieren sich BVG-Renten um 12%. Personen, die bei Annahme der Altersreform 45 oder älter sind, profitieren von Übergangsfristen. Über höhere Altersgutschriften und den tieferen Koordinationsabzug wird der Einbusse etwas entgegengewirkt. Bei der AHV profitieren Neurentner durch die Erhöhung der einfachen AHV-Rente um CHF 70.

Relativ betrachtet sind tiefe und mittlere Einkommen durch den tieferen Koordinationsabzug etwas besser versichert. Gesamthaft verschlechtert sich das „Preis-Leistungs-Verhältnis“, denn nur bleibt die Altersvorsorge langfristig ins Gleichgewicht.

 

Fazit

Das unbestrittene Ungleichgewicht im Vorsorgesystem muss korrigiert werden. Das Bündel an Massnamen umfasst AHV/BVG und die Mehrwertsteuer. Alle Beteiligten leisten einen Beitrag oder einen Verzicht, wirklich glücklich ist niemand. Vielleicht sind dies die Eigenschaften des „gut schweizerischen Kompromisses“. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, spannende Diskussionen um das Thema Altersvorsorge.

Wir unterstützen Sie bei Fragen rund um Ihre Vorsorge, egal wie das Abstimmungsergebnis lauten wird.